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Olivier Messiaen

Olivier Messiaen

Ich werde sagen: Ich habe diese Flamme diesen Augen gegeben, ich habe dem zweideutigen Lächeln des Mondes, dem Leuchten des Meeres, dem Samt der Pflaume diese zwei kindlichen Sterne entnommen, die sich dem Unendlichen öffnen.

Gedicht der Mutter an ihren ungeborenen Sohn

Familie

Olivier Eugène Prosper Charles Messiaen wurde am 10.12.1908 in Avignon (Nordfrankreich) geboren. Seine Eltern waren literarisch sehr geprägt. Die Mutter, Cecile Sauvage, war als Dichterin tätig. Messiaens Vater, Pierre, arbeitete als Englischprofessor. Ab 1919 übersetzte er über drei Jahrzehnte lang Werke von William Shakespeare. Olivier Messiaen begeisterte sich, bedingt durch seinen Vater, daher schon früh für Geschichten Shakespeares. Messiaen hatte einen jüngeren Bruder, Alain Messiaen.

Kindheit / Jugend

Im Jahr 1912 zieht die Familie nach Ambert um. Während des ersten Weltkrieges wird der junge Messiaen besonders durch seine Mutter geprägt, da Großvater und Vater im Krieg sind.

Ein wiederholter Wohnortwechsel nach Grenoble (Südfrankreich) im Jahr 1914 bringt Messiaen an einen Ort, zu welchem er eine starke Bindung aufbaut. In der ländlichen Umgebung beginnt er sich für die Natur und speziell für Vögel zu interessieren.

Gleichermaßen ist ab dem achten Lebensjahr ein erstes ungewöhnliches musikalisches Interesse zu bemerken. Der junge Olivier Messiaen beginnt autodidaktisch Klavier zu spielen und nach Gefühl Kanons in der Oktave zu komponieren. Bald darauf erhält Messiaen seinen ersten Klavierunterricht, wobei er wohl nie einen festen Lehrer hatte. Sehr früh wird er mit den Klavierwerken Ravels (Gaspard de la nuit) und Debussys (Estampes) vertraut gemacht, Werke die später für seine eigene kompositorische Entwicklung wichtig wurden. Nach der Rückkehr des Vaters zieht die Familie für eine kurze Zeit nach Nantes. Schon früh zeigte sich mit dem katholischen Glauben und dem Interesse an theologischer Literatur eine weitere Leitlinie seines späteren Denkens und Schaffens. Auch ein Interesse an Opernpartituren von Mozart, Gluck, Berlioz und Wagner zeichnen ihn aus. Noch vor seinem elften Lebensjahr nimmt Messiaen Harmonieunterricht bei Jehan de Gibon. Ab 1919 wohnt Messiaen mit seinem Bruder und seinen Eltern in Paris.

Messiaen mit Mutter und Vater

Ausbildung am Pariser Konservatorium

In den Jahren 1919 bis 1930 wird Messiaen am bekannten Pariser Konservatorium (Conservatoire national supérieur de musique et de danse de Paris) ausgebildet. Er besucht mehrerer Klassen und erlebt eine starke Prägung durch den ganz eigenen Stil des Conservatoriums, welcher durch Traditionen und die Tätigkeit der Lehrer bestimmt wurde.

Seinen Klavierunterricht erhielt Messiaen nun von Georges Falkenberg. Harmonielehre wurde von Jean Gallon unterrichtet und legte den Grundstein für die Chromatik und die Fiorituren, die er später in seinen Werken reich zur Geltung brachte. Seine Bemühungen und sein Können wurden oft ausgezeichnet. Für seine Studien in Harmonielehre erhielt er 1924 den zweiten Preis. Im Fugenstudium bei Georges Caussade erhielt er 1926 einen ersten Preis in Kontrapunkt und Fuge. Bei Cesar Abel Estyle, seinem Lehrer für Klavierbegleitung, entwickelte Messiaen die Kunst des Improvisierens, wofür er 1927 wieder einen ersten Preis erhielt. Dank seiner herausragender Fähigkeiten im Improvisieren wurde Messiaen schließlich in die Orgelklasse von Marcel Dupré geschickt, welcher einer der wichtigsten Lehrer für Messiaen wurde. Ein weiterer Lehrer Messiaens war Maurice Emmanuel, bei welchem er Musikgeschichte studierte. Emmanuel beeinflusste Messiaen stark durch die Beschäftigung mit altgriechischer Musik und Metrik, sowie durch die Praxis des Harmonisierens von gregorianischen Melodien. Im Jahr 1929 erhielt er einen doppelten ersten Preis in Orgelspiel und Orgelimprovisation. In der Kompositionsklasse von Paul Dukas, erhielt Messiaen 1930 seinen letzten ersten Preis, bevor er das Konservatorium mit einem zusätzlichen Diplom höherer musikalischer Studien verließ. Durch Paul Dukas wird Messiaens Interesse für Vögel und deren Gesänge gefördert. Weiterhin nahm Messiaen Unterricht bei Noël Gallon (Klavier,Harmonielehre, Fuge, Kontrapunkt sowie Orchestration) und Joseph Baggers (Schlagzeug).

Sein Interesse an Kunst und Kultur außerhalb des Conservatoriums wurde stark durch seine Eltern gefördert. Weiterhin Messiaen ein überzeugter Katholik.

1930 beendete Messiaen das Conservatoire mit einem zusätzlichen Diplom höherer musikalischer Studien.

Kompositionsklasse Paul Dukas 1929

Organist und Komponist

Ab 1931 bis 1939 übernahm der frisch ausgebildete Messiaen die Organistenstelle an der Kirche La Trinité in Paris. Seine Hauptaufgabe war die liturgische Begleitung während der Messe, wobei er nur begrenzte Möglichkeiten hatte zu improvisieren. Während dieser Zeit entsteht die “Messe de la Pentecôte”, jedoch lehnte die Kirche die Modernität und ätherische Entrücktheit dieses und weiterer seiner frühen Orgelstücke, die er als „komponierender Organist“ schrieb, weitesgehend ab. 1932 heiratet Messiaen die Geigerin und Komponistin Claire Delbos. Fünf Jahre später,1937, wird der gemeinsame Sohn Pascal Messiaen geboren. 1936 entsteht die Gruppe “Jeune France” mit den Komponisten: André Jolivet, Yves Baudrier und Jean-Yves Daniel-Lesur, in welcher auch Olivier Messiaen tätig wird.

Zu dieser Zeit beginnt Messiaen mit seiner Lehrtätigkeit an der Pariser Schola Cantorum, er unterrichtet Orgelimprovisation. An der École Normale de Musique de Paris unterrichtet er dagegen Blattspiel am Klavier.

Militärzeit Messiaens

Militärzeit Messiaens

Militärdienst / Kriegsgefangenschaft

Mit Beginn des zweiten Weltkrieges wurde auch Messiaen zum Militärdienst einberufen. Da er keine militärische Ausbildung besaß, wurde er als einfacher Soldat in der Zitadelle Vauban in der Nähe Verduns eingesetzt. Am 20. Juni 1940 gerät seine Wachmannschaft kampflos in deutsche Kriegsgefangenschaft. Die Männer marschieren zunächst unter Bewachung nach Nancy und werden dort in Transportzüge verladen.

Auf dem Weg lernt Messiaen den ihm Vorgesetzten Obergefreiten Etienne Pasquier, einen Solo-Cellisten, sowie den Klarinettisten Henri Akoka kennen. Nach drei Tagen Zugfahrt ist die Stadt Görlitz erreicht. Im dortigen Stalag VIII A Görlitz-Moys bekommt Messiaen die Kriegsgefangnennummer 35333 zugewiesen und wird mit seinen Kameraden in der Baracke 19 A einquartiert. Während der Gefangenschaft kommt es zur Weiterentwicklung des “Quatuor pour la fin du temps”. Die Aufführung fand schließlich in der bitterkalten, dunklen Nacht des 15. Januar 1941 gegen 18.00 Uhr in der Theaterbaracke 27 B statt. Im Februar 1941 kann Messiaen endlich aus der Kriegsgefangenschaft entkommen. Nach dem Sturz des Vichy Regimes durften französische Sanitäter aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehren. Auch Soldaten-Musikern war dieses Privileg zuerkannt. Die Kommandanten des Lagers waren der Meinung, Messiaen wäre unbewaffnet als Soldaten-Musiker in Gefangenschaft geraten. Da Messiaen jedoch weder als Sanitäter noch als Soldaten-Musiker in der Armee war, diese Neuregelung aber eine Chance für Messiaen war, fälschte er mit Hilfe seiner Freunde seinen Ausweis. Begünstigend für Messiaen war auch, dass die Lagerleitung in Görlitz natürlich seinen Ruf als Komponist und Musiker kannte. Zusammen mit Pasquier kehrte Messiaen nach Frankreich zurück.

Lehrtätigkeit / Kompositionen

Ab dem 07. Mai 1941 ist Messiaen am Pariser Conservatoire als Lehrer tätig. Er unterrichtet Harmonielehre auf einem sehr hohen Niveau und Begann ab 1943 private Analysekurse zu geben. Zudem lehrte er ab 1947 Analyse, Ästhetik und Rhythmus.

Nach dem Tod seiner ersten Frau Claire Delbos im Jahr 1959 heiratete er am 1. Juli 1961 die Pianistin Yvonne Loriod. Erst 1966 durfte Messiaen eine Kompositionsklasse übernehmen und wurde zum Professor für Komposition ernannt. Für Messiaen selbst war diese Klasse so etwas wie eine Klasse über Superkomposition, er beschäftigte sich zusammen mit seinen Studenten mit exotischer, antiker und ultramoderner Musik, sowie mit Orchestration und Rhythmus.

1967 wurde er in das Institut de France gewählt. Seine einzige Oper schreib Messiaen in den Jahren 1975 – 1983 nachdem er einen Kompositionauftrag des Intendanten der Pariser Oper, Rolf Liebermann erhielt. Die Oper trägt den Titel: Saint François d’Assise. Im Jahr 1978 endet Olivier Messiaens Lehrtätigkeit am Conservatoire.

Auf Reisen in die ganze Welt studierte Messiaen Vogelgesänge und versuchte diese möglichst genau zu notieren. Insgesamt zeichnete er etwa 700 differenzierte Vogelrufe auf. Weiterhin begann er äußerst ungewöhnliche Spielweisen zu erproben, um sich den spezifischen Naturlauten weitestmöglich anzunähern.

Olivier Messiaen mit Claire Delbos, 1933

Olivier Messiaen mit Claire Delbos, 1933

Messiaen 1946

Olivier Messiaen, 1946

In seinen Jahren als Lehrer bildete Messiaen mehrere wichtige Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts aus, darunter: Pierre Boulez, Alexander Goehr, Jean-Louis Petit, Karlheinz Stockhausen und Iannis Xenakis. Am 27. Abril 1992 starb Messiaen in einem Pariser Krankenhaus. Er wurde in Saint Théoffrey beigesetzt.

Von 1941 bis 1992 entstanden über 38 Vokal-, Orchester-, Bühnen-, Klavier-, Orgelwerke und Kammermusikstücke. Olivier Messiaens zählt heute zu den größten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Sein Werk “Quartour pour la fin du temps” ist eines der meist Aufgeführten Stücke das 20. Jahrhunderts.